Saturday, January 23. 2010Das Ende einer Mittelformat-Odyssee
Wie hier bereits vorher berichtet, ist meine Seagull eingegangen (naja, nicht so richtig, aber trotzdem tut sie nicht mehr so zuverlässig), als Ersatz dafür hab ich mir eine Yashica MAT 124 besorgt, durchchecken lassen, ein paar Monate damit Spaß gehabt, bis die Lufthansa die Kamera auf dem Weg von Berlin via Frankfurt nach Linz die Kamera im Gepäck zerstört hat. Und "zerstört" heißt: der Lichtschachtsucher ist abgerissen, insbesondere die Schrauben, die ihn am Gehäuse festgehalten haben, der Belichtungsmesser (das Highlight der Kamera) war eingedrückt, der Verschluss hat sich beim Auslösen nicht mehr geöffnet. Immerhin hat die Reiseversicherung, die bei der Kreditkarte dabei war, einen gewissen Teilbetrag anstandslos ausgezahlt.
Nun stand also eine Neubeschaffung im Raum, "tabula rasa", eine neue, robustere Mittelformatkamera. Ich hab mich die Tage davor schon informiert, was sich denn so alles tut auf dem Gebrauchtmarkt, und hatte ein paar verschiedene Modelle im Auge, von Zenza Bronica über Mamiya RB67 bis zu einer aufgemotzten Kiev 88 wie sie z.B. Wiese Fototechnik aus Hamburg vertreibt. Um mir mal ein wenig einen Überblick zu verschaffen, was sich auch bei den Fotohändlern so tut, bin ich gestern nachmittag dann auch noch zu Wüstefeld in Spandau gefahren, und habe dort - neben einigen eher uninteressanten MF-Kameras - ein Prachtstück gefunden, und zwar eine Mamiya C330 mit 80mm- und 135mm-Objektiv, in einem gut erhaltenen Zustand, zu einem so guten Preis, den ich sonst wo nirgendwo gesehen habe. Also hab ich mich spontan entschlossen, diese Kamera zu nehmen. Die Mamiya C330 ist wie ihre zwei Vorgängerkameras eine TLR, also eine doppeläugige Spiegelreflexkamera, jedoch größer, robuster und schwerer als die meisten anderen Modelle dieser Bauart. Noch dazu hat die Mamiya C-Serie ein paar einzigartige Merkmale, die man sonst bei keiner anderen TLR findet. Zum einen ist es die einzige TLR-Modellserie mit Wechselobjektiven - während selbst Rolleiflex nur 80mm-Objektive drauf hat, kann man hier auf mehrere Objektive im Bereich von 55 bis 250mm zurückgreifen. Zum anderen ist die Kamera mit einem so riesigen Balgen ausgestattet, dass man selbst mit dem 80mm-Standardobjektiv sich mit der Linse bis auf ca. 15 cm an Objekte annähern kann (ein Korrekturfaktor zur eventuellen Anpassung von Blende oder Belichtungszeit wird im Sucher angezeigt). Außerdem findet man ein paar nette Features, so klappt etwa das hintere Teil zum Laden des Films nach unten statt wie sonst nach oben, was das Laden selbst deutlich erleichtert. Außerdem spult man mit einer Kurbel vor, wobei aber trotzdem die Möglichkeit für Mehrfachbelichtungen gegeben wird. Insgesamt bin ich mit der Neuanschaffung ziemlich zufrieden, die Mamiya C330 scheint auf jeden Fall ein richtiges Arbeitstier zu sein. Morgen wird die Kamera von mir noch genauer ausgetestet werden. Saturday, October 31. 2009Manchmal gibt es wirklich gute Gründe, durchzudrehenNaja, die nächsten Schritte werden jetzt wohl sein, dass ich die sauber entfernte Belederung wieder ebenso sauber anbringe (eine rein optische Sache, technische hat die keine Relevanz), sodass die Kamera wieder in einen verkaufsfähigen Zustand kommt, und möglicherweise werde ich die Kamera, nachdem ich ja mittlerweile besseren Ersatz habe, auch tatsächlich verkaufen. Thursday, October 29. 2009Eine Zusammenfassung der gestrigen Chaosradio-Wikipedia-Diskussion
Gestern war ja Chaosradio zum Thema Wikipedia bzw. der derzeitigen Kontroverse von Exkludismus und Inkludismus. Ich habe mir erlaubt, den meisten Teil der Sendung per Twitter zu verfolgen (ausgenommen der Zeit, wo ich telefoniert hab), und möchte einige der Vorschläge, die in der gestrigen Sendung eingebracht und diskutiert wurden, hier noch einmal zusammenfassen und die Diskussion an sich kommentieren. Teilnehmer der Diskussion waren übrigens Marcus Richter (der Moderator), Sargoth (ein Wikipedia-Admin) und Frank Rieger vom CCC.
Am Anfang dümpelte die Diskussion ja etwas dahin, wobei es doch immerhin zu ein paar interessanten Äußerungen kam: so meinte etwa Sargoth, selbst fundamentale Artikel wie Demokratie wären seiner Ansicht nach in einer absoluten schlechten Verfassung und müssten dringend neugeschrieben werden. Allerdings verstieg er sich später leider in dem Versuch, ad-hoc Relevanzkriterien für Computerspiele zu definieren, was meiner Meinung nach nicht wirklich produktiv war. Aber schon, was der erste durchgestellte Anrufer zu sagen hatte, fand ich hochinteressant: dieser hatte lt. seinen Angaben einen Artikel über ein Jugendfilmfestival geschrieben (derer es anscheinend nicht wirklich viele gibt), und detailliert aufgezählt, an welchen Wikipedia-Vorgaben und Regeln bezüglich guter Artikel er sich gehalten hatte. Trotzdem wurde dieser Artikel wegen angeblich mangelnder Relevanz gelöscht, was den Autor offenbar ziemlich frustriert hat (man merkte diesen Frust regelrecht in seinen Redebeiträgen), nicht zuletzt aufgrund der vielen investierten Zeit in Artikel und Löschdiskussion. Frustrierte Ansage als Abschluss: "ich würde keinen Artikel mehr anlegen, denn ich will keinen Stress mehr mit Wikipedia haben". Dann ein paar andere Anrufer und Diskussion, die ich leider nicht mitbekommen habe, weil ich mich natürlich selbst zu Wort melden musste mit meinem Dilemma zum Artikel Musterung (hört selbst rein), und hab damit auch gleich einen kleinen Edit-War ausgelöst... Frank Rieger sprach sich dann dafür aus, dass auch "irrelevante" Artikel lesbar sein sollten, und meinte damit Artikel die gelöscht wurden, auf die offensichtliche Löschgründe wie Urheberrechtsverletzung, Ehrenbeleidigung, o.ä. nicht zutreffen würden. Das ist ein Vorschlag, den man schon oft gehört hat, und der auch von vielen Seiten als "triviale" Lösung für den Konflikt gesehen wird. Dann sprach er den Wikipedia-Kurier-Artikel an, dem ein seiner Meinung nach elitäres Denken und eine verächtliche Position sowohl der Blogosphäre als auch der Wissenschaft gegenüber anhängt, und sprach einen großen Widerspruch an: einerseits werden Leute mit Fachwissen von der Wikipedia händeringend gesucht, andererseits findet man solche PR-Desaster, und trotz dieser sehr gespaltenen Position wird von Wikipedia-Autoren eine besondere Genauigkeiten verlangt, obwohl Wikipedia nicht einmal selbst einen wissenschaftlichen Anspruch hat und sich auch nicht als zitierfähige Quelle sieht und versteht. Ein weiterer sehr interessanter Vorschlag, vorgebracht von einem Anrufer, war auch der, Wikipedia in einem größeren Kontext zu sehen, und zwar als Teil einer Gesamt-Wissensdatenbank (das ursprüngliche Wikipedia-Ziel), von der die Wikipedia eine echte Untermenge bildet, d.h. in der Gesamt-Wissensdatenbank sind nur bestimmte Artikel als "enzyklopädisch relevant" markiert. In eine ähnliche Richtung geht auch ein weiterer Vorschlag, Wikipedia allgemeiner zu halten, und spezielleres Wissen in "Spezial-Wikis" oder "Fach-Wikis" auszulagern, derer es ja mittlerweile recht vieler gibt, ich denke da etwa an Indiepedia und Camerapedia als zwei von vielen Beispielen. Im letzten Viertel der Sendung kam es schließlich zu einer Telefon-Liveschaltung mit Fefe, der ja mit seiner umfangreichen Berichterstattung die Wikipedia-Kontroverse erst so richtig bekannt gemacht hat und ihr auch einen gewissen Schwung gegeben hat. Er vertrat wie schon in seinen Blogartikeln eine sehr offensive Position, und forderte etwa, dass die Relevanzkriterien neu definiert werden müssten. Er argumentierte, dass die allermeisten User, wenn sie nach etwas suchen, einfach einen Suchbegriff in Google eingeben würden. Bei vielen allgemeinen Themen würde als erster Treffer eine Wikipedia-Seite erscheinen, was einen großen Erfolg für die Wikipedia darstellt, denn immerhin steckt hinter diesem Ziel, erster bei Google zu sein, eine Multi-Millionen-Dollar-Industrie. Selbst irgendein (schlechter) Wikipedia-Artikel wäre da besser als garkein Wikipedia-Artikel, denn im Gegensatz zu jeder anderen beliebigen Quelle biete Wikipedia die tatsächliche Möglichkeit für User, die (schlechten) Artikel zu verbessern. Auch Wikipedia-Artikel ohne enzyklopädische Relevanz haben unter diesem Gesichtspunkt einen Mehrwert für die größte Zielgruppe, nämlich Google-User. Schließlich wurde die Diskussion noch in Richtung Technik gelenkt. Frank Rieger sagte ziemlich offen, dass das MediaWiki, die Wiki-Software, die bei Wikipedia und verwandten Projekten eingesetzt wird, technisch im Jahr 2003 stehengeblieben ist. Hier sollte es mehr technische Hilftsmittel geben, um Usern die Verbesserung von Artikeln möglichst zu vereinfachen. Er erwähnte auch, dass der Wikimedia Deutschland e.V. auf nicht unbeträchtlichen Spendengeldern sitzt, von denen nur ein Bruchteil dafür verwendet wird, einen Toolserver für Wikipedia zu betreiben. Er schlug vor, dieses Geld stattdessen in die Hand zu nehmen und in die Weiterentwicklung von MediaWiki zu investieren. Fefe schlug in diesem Kontext auch vor, dass Wikimedia die Ressourcen und die Möglichkeiten hätte, selbst eine Deletionpedia umzusetzen, die von Wikipedia gelöschte Artikel enthält. Für die deutsche Wikipedia gibt es ja bereits Projekte wie Wiki-Waste, die jedoch deutlich unterdimensioniert sind an Ressourcen. Schließlich wurde noch auf das Diskussionspanel am 5. November in den Vereinsräumen von Wikimedia Deutschland hingewiesen, und Sargoth schloss mit dem für mich sehr bemerkenswerten Satz, dass die Wikipedia seit ihren Anfängen auch etliche Leute anzogen hat, die Freude daran haben, Artikel zu schreiben bzw. an Wikipedia mitzuarbeiten, sich jedoch mit dem OpenSource-Gedanken nicht identifizieren, und sich auch in konsensorientierte Arbeit noch einfinden müssen. Mein Fazit ist auf jeden Fall, dass diese zweistündige Diskussionrunde sehr interessant, produktiv und auch konstruktiv war, denn es wurden nicht nur Kritikpunkte an der Wikipedia aufgezählt, sondern auch konkrete Vorschläge vorgebracht, was man an Wikipedia verändern bzw. verbessern könnte. Wie sich diese Diskussion weiterentwickelt, wird sich wohl erst am 5. November zeigen. Und auch das Live-Twittern hat mir Spaß gemacht, auch wenn das stressiger ist, als man sich das denkt.
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Friday, October 23. 2009Neue Kameras
Meine "Sammlung" an Kameras hat sich in letzter Zeit etwas erweitert, und zwar einerseits um eine wunderschöne Rolleicord I, Baujahr irgendwann 1934 bis 1936 (vielen Dank an Filip und Kathrin für dieses tolle Geburtstagsgeschenk!) und fast zu schön als dass ich sie so nutzen würde wie meine alte Seagull, andererseits um eine frisch gewartete Yashica Mat 124 inklusive integriertem Belichtungsmesser, die wohl künftighin mein "Arbeitstier" in Sachen Mittelformatfotografie werden wird.
Thursday, October 22. 2009Wikipedia: manches Wissen ist gleicher als anderes
Bisher hab ich mich ja eher zurückgehalten in der aktuellen Diskussion um Exkludisten und Relevanzkriterien (ein Überblick hier: Kris Köhntopp 1, 2, F!XMBR, Fefe, Pavel), mittlerweile ist das ganze aber schon so weit gediehen, dass ich auch mal meinen Senf dazugeben muss.
Dabei will ich mich primär überhaupt nicht mit den konkreten Ereignissen (konsequente Löschung von Artikeln und Erwähnungen der verschiedensten Themen, beispielsweise MOGiS) befassen, sondern meinen Blick auf die grundsätzlicheren Problematiken, und zwar einerseits den Relevanzbegriff, den Exkludismus an sich und die praktischen Auswirkungen des ganzen. Der Exkludismus als solches ist eine Bewegung innerhalb der Wikipedia-Community, die aufgrund von bestimmten Kriterien entscheiden will, welche Artikel in die Wikipedia reindürfen und welche nicht. Das beliebteste Argument für eine Entscheidung gegen eine Aufnahme sind die Relevanzkriterien, ein historisch gewachsenes Dokument. Selbstdarstellung, Werbung oder ähnliches ist natürlich auch nicht erwünscht, das Lemma (vereinfacht gesagt der Name, unter dem der Artikel läuft) sollte auch einen gewissen allgemeinen Bekanntheitsgrad haben, reine "Internetbekanntheit" zählt nach Auffassung vieler Exkludisten nicht. Was hier übersehen wird: die Relevanz- und weitere Kriterien, die angelegt werden, um eine Entscheidung für oder wider einen Artikel herbeizuführen, sind auch nur Meinungen. Gebildet zwar von Leuten, die sicherlich schon länger bei Wikipedia aktiv mitarbeiten, aber daraus lässt sich schon grundsätzlich kein unumstößlicher Wahrheitsanspruch ableiten. Auch der oft angeführte Begriff der "Bekanntheit" ist subjektiv: wer weiß denn schon alles, wer kennt jeden? Niemand ist allwissend, wer allerdings Begriffe außerhalb seines Horizonts leugnet (und derartige Gestalten gibt es genug in Löschdiskussionen), der kann unweigerlich nur Schaden anrichten. Als überspitztes Beispiel kann ich da nur die Position des Solipsisten-Wikipedianers nennen: wäre ein Solipsist konsequent, so müsste er alle Artikel außer über sich selbst löschen. Sobald es mehr als einen Solipsisten-Wikipedianer gibt, so gibt es nur noch soviele Artikel wie Solipsisten, und selbst diese sind alle gelöscht bzw. im Prozess des Gelöscht-werdens. Aber um die Bekanntheitsdiskussion wieder auf "normalere" Bahnen zu bringen: seit gestern gibt es einen Artikel über Fefes Blog, in dem mehrfach die Bekanntheit von Felix von Leitner (aka Fefe) geleugnet wurde, weil sich diese lediglich auf eine geringe Anzahl von Onlinemedien beschränken würde. Was habe ich gelacht. Abgesehen davon, dass dieses Argument vollkommen fehl am Platz war (denn es ging um Fefes Blog, und nicht um die Person), würde man diese Kriterien an andere Personen, zu denen es Wikipedia-Artikel gibt, anwenden, dann müsste man konsequenterweise auch den Artikel zu Jimmy Wales löschen. Wer ist Jimmy Wales? Frag mal deinen Opa, deine Mutter, oder deinen Bruder, ob die wissen, wer Jimmy Wales ist. Ach, die wissen das nicht? Wie kann es dann einen Artikel über diese Person geben, wo doch nur eine sehr eingeschränkte Bekanntheit gegeben ist? Tja, Jimmy Wales hat halt eben "zufällig" die Wikipedia gegründet. Ein oftmaliges Argument, über das man immer wieder stolpert, das man im Zusammenhang mit dem Exkludismus hört, ist, dass es in der deutschsprachigen Wikipedia schon zuwenige aktive Mitarbeiter gäbe, und man daher "schlechte" oder "irrelevante" Artikel löschen müsse, um die bestehende Arbeitskraft auf die bestehende Artikelmenge kanalisieren zu können, ist genauso einfach wie falsch. Nicht nur, dass Proponenten derartiger Irrmeinungen garnicht in den Sinn kommt, dass genau durch großzügige Löschaktionen Leute, die mitarbeiten wollen, vertrieben werden (ganz ehrlich, wer will sich in einem Projekt engagieren, mitarbeiten und sich herumstreiten müssen, wenn gerade die eigene Arbeit gelöscht worden ist?), nein, durch Löschanträge oder gar Schnelllöschanträge auf neue Artikel werden potentiell umfassendere Arbeiten an neuen Themen unterdrückt und aus ihrem Kontext gerissen, einzelnen Artikeln oder gar einer ganzen Serie davon wird die Möglichkeit genommen, sich zu entwickeln. Nein, vollkommen falsche Sichtweise: Personen, die sich in Wikipedia in Form von Artikel schreiben einbringen wollen, werden daran gehindert, genau diese Artikel in einen (für wen auch immer) akzeptablen Zustand zu bringen. Es wird also aktiv Wissen vernichtet und durch die Regeln, unter welchen Umständen ein bereits gelöschter Artikel zu einem Lemma nochmal neu erstellt werden darf, wird auch verhindert, dass (außerhalb der Wikipedia bestehendes) Wissen in die Wikipedia integriert, vernetzt und damit in ein größeren Kontext gestellt wird. Das ist die traurige Realität, und entspricht sicherlich nicht dem Grundgedanken der Wikipedia, den Jimmy Wales predigt: Aber Wikipedia ist mehr als nur eine Internetseite. Wir haben ein gemeinsames Motiv: Stell dir eine Welt vor, in der jeder Mensch auf der Erde freien Zugang zum gesamten menschlichen Wissen hat. Das ist unsere Verpflichtung.(Jimmy Wales - Quelle) Das Wissen der Welt zu sammeln heißt, auch solches in die Wikipedia mitaufzunehmen, das Kriterien, die einem scheinbaren Konsens (scheinbarer Konsens nur deswegen, weil es der Konsens einer Gruppe von Personen ist, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Wikipedia aktiv waren) nicht entsprechen. Das ist meine Überzeugung. Und überhaupt, das Löschen. Speicherplatz ist billig, Speicherplatz ist kein Problem für die Wikipedia, denn: Wenn ein Artikel in der Wikipedia "gelöscht" ist, so ist der Inhalt nicht etwa tatsächlich gelöscht, sondern lediglich für alle Personen außer Admins unsichtbar. Besonders perfide, hier wird also bereits in der Wikipedia gesammeltes Wissen bewusst zurückgehalten, Willkür auf rein technischer Ebene. Naja, man wird ja sehen, wie sich die aktuelle Debatte entwickeln wird. Zumindest jetzt schon sieht man, wie immer mehr Leute von einer aktiven Mitarbeit an der deutschsprachigen Wikipedia Abstand nehmen, und das vollkommen zurecht. Ein zu notierender Termin ist auf jeden Fall auch die hier angekündigte Veranstaltung am 5.11. um 18:00 Uhr in den Räumen von Wikimedia Deutschland in Berlin (Kris Köhntopp vermutet, wo das sein wird). Und zu guter letzt noch ein kleiner Rant über MediaWiki, die Wiki-Software, die Wikipedia eingesetzt wird: poah, ist die Software schlecht! Dass sämtliche Diskussionen ausschließlich im MediaWiki ausgefochten werden, macht es absolut unmöglich, Diskussionen auch nur irgendwie sinnvoll zu verfolgen und zu überblicken. Auch aus Versionsverwaltungssicht einfach nur ein Graus: exklusives Locking will man ja schon mal prinzipiell nicht (die Folge wäre ein einziger Denial of Service auf die Editierfunktion), aber dann sollte ein Mergen von Änderungen sowie ein sinnvolles Interface zum Beheben von Mergekonflikten vorhanden sein. Allein schon das ist ein großer Faktor, der die praktische Benutzbarkeit von Wikipedia einschränkt und eine aktive Teilnahme an kontroversen Thematiken fast schon verunmöglicht. Und ganz zum Abschluss noch Grüße an die Wikipedia-Kritiker A. und C., die schon länger als ich eine kritische Sichtweise zur deutschen Wikipedia und allen Dingen, die da falsch laufen eingenommen haben, und von denen ich ein paar Argumente schamlos abgekupfert habe. Saturday, August 29. 2009Ein Nachruf auf meine Seagull 4B1
Gestern ist meine Seagull 4B1 gestorben. Ziemlich genau 14 Monate hat sie gehalten. Sie war mein Einstieg in die Mittelformatfotografie.
Ich kann mich noch genau erinnern, letztes Jahr im Sommer hab ich auf dem samstäglichen Flohmarkt in Linz diese wahrlich billige TLR-Kamera (sowohl preislich als auch ausführungstechnisch) erstanden. Ich war schon beim Ausprobieren extrem begeistert von der Handhabung dieser Kamera, die sich von anderen Kameras so vollkommen unterscheidet: einerseits eine Spiegelreflexkamera, andererseits eine Mattscheibe, auf die man von oben drauf sieht während man die Kamera ungefähr auf Brust- bis Beckenhöhe hält, das war für mich eine vollkommen neue Sichtweise auf die Fotografie. Schnell hab ich mir 120er-Rollfilme zugelegt, und Fotos über Fotos gemacht. Als Belichtungsmesser diente dabei immer der eingebaute Meter in meiner Zeiss Ikon Contina IIa, was zu immer sehr zuverlässigen Belichtungswerten führte. Durch die vermehrte Beschäftigung mit dieser Kamera fand ich eine vollkommen neue Sichtweise auf die Fotografie an sich. Und nun ist sie tot, die Seagull 4B1: die Lamellen des Verschlusses federn nicht mehr zuverlässig zurück, wenn der Spannhebel sich nach dem Aufziehen nicht wieder in Ausgangsposition befindet. Gestern habe ich das bei einer eher routinemäßigen Überprüfung der Funktionalität bemerkt. Ob die Kamera vielleicht schon vorher defekt war, wird sich zeigen, nach der Entwicklung von 5 Filmrollen, die ich in meinem Urlaub verbraucht habe. Eine Reparatur wäre lt. einem Verkäufer von Wüstefeld relativ teuer, und stände in keinem Verhältnis zu den damaligen Anschaffungskosten der Kamera. Nach einem Nachfolger habe ich mich bereits umgesehen, bisher aber nichts befriedigendes gefunden. Für Tipps (oder gar Angebote) bin ich allerdings jederzeit offen. Ich würde auf jeden Fall gerne weiterhin Mittelformat fotografieren, eine TLR muss es aber nicht sein, das "Feeling" sollte aber das gleiche sein (und dazu zählt für mich auch ein Schachtsucher). Eine gebrauchte Rolleiflex ist mir allerdings zu teuer, und eine Hasselblad muss es auch nicht unbedingt sein. Wednesday, July 29. 2009"Das freie Wort" visualisieren
Als Followup auf meinen Artikel "Das freie Wort" dataminen habe ich mir noch die Mühe gemacht, sämtliche Beiträge in DFW runterzuladen, die eigentlichen Texte zu extrahieren, und diese dann mit Hilfe von Wortwolken zu visualisieren (als Tool dafür kam wordle.net zum Einsatz).
Wortwolke November/Dezember 2006: ![]() Wortwolke 2007: ![]() Wortwolke 2008: ![]() Wortwolke 2009: ![]() Wortwolke Mai-Juli 2009: ![]() Eine Wortwolke des gesamten Textkorpus habe ich nicht generiert, da wordle.net mit der Textmenge von 25 MB nicht zurechtkommt. Aus Gründen der einfachen Umsetzung habe ich auf Stemming verzichtet, und mich ebenso beim Filtern von Stoppwörtern auf die in wordle.net integrierte Funktionalität dafür verlassen. Die Rohdaten gibt's wieder zum Download, und zwar hier. Eine meiner Meinung nach deutlich umfassendere und auch visuell interessantere Analyse der "Krone"-Leserbriefe von 2008 findet sich übrigens bei wissenbelastet.com, sehr empfehlenswert. Tuesday, July 28. 2009"Das freie Wort" dataminen
"Das freie Wort" (im Artikel der Kürze wegen "DFW" genannt), die erweiterte Leserbrief- und AgitProp-Kolumne der Kronenzeitung, hat gestern meine Aufmerksamkeit geweckt, nicht zuletzt durch einen tweet von Armin Wolf über einen paranoiden Einwohner von Mistelbach, der beim kleinsten Geräusch in der Nacht seine Wohnung mit Waffe im Anschlag durchsucht.
Nachdem die "Krone" ja berühmt-berüchtigt ist für verleumderische Artikel, Kolumnen, Kommentare sowie (mutmaßlich) fingierte Leserbriefe, habe ich mir die Frage gestellt, "wer ist dieser Herbert Schlemmer aus Mistelbach eigentlich?". Eine schnelle Google-Suche brachte interessanterweise hauptsächlich Hinweise auf DFW in der "Krone". Also die nächste Frage: "wer sind eigentlich diese Leute, die in DFW veröffentlicht werden?". Nun gut, diese Frage kann mit Hilfe der modernen EDV schnell gelöst werden. Der Internetauftritt der "Krone", krone.at, bietet eine tageweise Übersicht über alle Beiträge in DFW, in der auch sämtliche Leserbriefschreiber inklusive Ort vermerkt sind. Also schnell ein Skript geschrieben, das sämtliche Übersichtsseiten seit dem 1. 11. 2006 runterlädt (das ist offenbar das erste Datum, ab dem DFW derzeit online ist), und ein weiteres, das sämtliche Namen und Orte extrahiert. Mit ein paar kleinen Tools mehr habe ich daraus ein "Ranking" von den am häufigsten publizierten Leserbriefschreibern in DFW generiert, sowie ein Ranking von Orten, aus denen diese Personen stammen. Zuerst einmal die rohen Zahlen:
Und hier noch das Ranking der eifrigsten DFW-Autoren (Top 30; die Zahl vor dem Namen ist die Anzahl der Beiträge):
Und da finden wir auf Platz 26 auch wieder unseren Herbert Schlemmer wieder. Das ganze war nur der Anfang: ich ermutige jeden, auf Basis dieser Daten weitere Auswertungen (vielleicht sogar mit Visualisierungen?) anzustellen. Die Rohdaten gibt es hier zum Download. Die Daten dort weichen etwas ab, so ist beispielsweise das "Name und Adresse der Redaktion bekannt" in verschiedenen Formen zu finden und noch unkorrigiert. Tuesday, July 21. 2009Nachtrag zu southpark.de
Mittlerweile gibt es auf southpark.de im Player einen Button "watch in english". Zwar immer noch nicht optimal, aber schon eine sehr große Verbesserung. Double thumbs-up!
Saturday, July 18. 2009Websites, die wieder mal alles falsch gemacht haben. Diesmal: southparkstudios.com
Mit großem Entsetzen musste ich gestern feststellen, dass die vormals wunderbare Seite southparkstudios.com nicht mehr von Deutschland aus erreichbar ist. Als Begründung wird angegeben, dass die auf der Seite gezeigten Southpark-Folgen aus Copyright- und anderen rechtlichen Gründen außerhalb der USA nicht verfügbar sind. Als "tolle" Alternative hat man jetzt southpark.de. Da kann man sich alle in Deutschland bisher ausgestrahlten Folgen ansehen. Auf Deutsch. Ausschließlich auf Deutsch. Die deutsche Synchronisation ist absolut unerträglich. Warum wird Southpark-Fans, die die Serie gerne im englischen Originalton sehen würden, so
Thursday, July 9. 2009GesichtstransformationSaturday, May 9. 2009Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden
Irgendwie kommt mir vor, seitdem ich aus Linz nach Berlin umgezogen bin, verändert sich in Linz alles zum Schlechteren. Gut, ich sehe da keinen kausalen Zusammenhang, nichtsdestotrotz betrübt es mich, wie irgendwie einfach alles, das ich von Berlin aus über Linz und Oberösterreich medial wahrnehme, schlechter wird.
Zuerst die Posse um den neuen Bischof von Linz: gut, betrifft mich als Denominationslosen überhaupt nicht, trotzdem: WTF?! Was haben solch engstirnige Leute in der Mitte der Gesellschaft zu tun? Wie kommt es, dass so einer gleich mal zwei Jahrhunderte verschläft? Dann ein zweiter Vorfall, in den ich "virtuell" ebenfalls mit reingeraten bin: am 1. Mai hat es in Linz bei der Demonstration der KPÖ heftigste Polizeibrutalität gegeben, wie man sie in Linz noch nie gesehen hat. Wie ich da reingeraten bin? Ich hab (noch größtenteils unzensierte) Aufnahmen des "Zugriffs" gefunden, und diese spontan auf YouTube upgeloadet, denn ein YouTube-Video zu schauen ist doch etwas einfacher als sich ein .flv-File zu laden und möglicherweise VLC installieren zu müssen, um es ansehen zu können. Selbst der ORF hat kritisch darüber berichtet (insbesondere in dem Zusammenhang, dass die Arbeit des ORF behindert wurde), jedoch ebenfalls Maßnahmen getroffen, um die Prügelattack weniger brutal aussehen zu lassen. Immerhin hat das Video mehr als 25000 Views, von daher hoffe ich, zur allgemeinen Aufklärung und zur Information gegenüber der mittlerweile widerlegten Polizeipropaganda beigetragen zu haben. Dass nicht alles schlecht ist, zeigt, dass sich nach dem Vorfall spontan ein Bündnis gegen Polizeigewalt gebildet hat, ein wahrhaft gutes Zeichen, dass es so etwas wie eine Zivilgesellschaft in Oberösterreich gibt. Als die Nr.-1-Anlaufstelle für Informationen zu dem Thema hat sich übrigens das Blog von Andrea Mayer-Edoloeyi herauskristallisiert, das ich nur herzlichst weiterempfehlen kann. Und dann noch die Kinderpornografieinternetzensursache. In Deutschland läuft die Diskussion ja derzeit ziemlich heiß, eine Herausgabe der Verträge zwischen deutschem BKA und Internetprovidern würde die nationale Sicherheit gefährden und außerdem das geistige Eigentum von BKA und Vertragspartnern verletzen, die Internetausdrucker rund um Zensursula zeigen sich beinhart und diffamieren jeden, der die für die Zensur von Kinderpornografie aufzubauende technische und organisatorische Infrastruktur als undemokratisch (weil keiner Gewaltentrennung unterliegend) und ineffektiv (wegschauen - und was anderes ist Zensur nicht - hilft keinem Missbrauchsopfer) kritisiert, als pädokriminell und Kinderpornobefürworter. Gut, das ist mal Stand der Dinge. Inwiefern diese Kampagne allerdings auch schon Auswirkungen auf die oberösterreichische Politik gehabt hat, zeigt Aaron Bruckmiller in seinem Blog auf. Dass ausgerechnet die von mir als Partei präferierten Grünen da mitmachen, betrübt mich umso mehr, sodass ich die Frage stellen muss: wer hat denen ins Gehirn geschissen?! Eine fundierte Diskussion der Ineffektivität dieses populistischen Aktionismus hat schon stattgefunden, aber sachlichen Argumente scheint heutzutage keiner mehr zugänglich zu sein. Naja, so ist der Stand der Dinge, vieles wird anscheinend schlechter, nichts bessert sich, nur das Wetter bleibt schön. Achja, falls sich jemand fragt, warum ich nur noch sporadisch blogge: ich hab meine Hauptaktivität mittlerweile auf meine Soup verlagert. Das heißt natürlich nicht, dass dieses Blog eingestellt wird, der größere Anteil an Content zum Nachdenken und für's Amusement findet sich jedoch dort. Und mein Blog wird dort auch syndiziert. Saturday, March 7. 2009Liebe taz,
Wenn eure Autorin Barbara Dribbusch herbeifantasiert, dass die Unzufriedenheit von 55 % der elfjährigen Mädchen mit ihrem eigenen Körper direkt mit dem "Glaubenssystem der Evolutionsbiologie" zusammenhängt, dann muss ich zuerst einmal er- und dann schnell das Lesen des Artikels abbrechen. Diese Behauptung ist an sovielen Punkten sowas von schwachsinnig, es ist unerträglich.
Zuallererst ist die Evolutionsbiologie kein Glaubenssystem (außer natürlich man bezeichnet wissenschaftlich fundierte Theorien als "Glauben" im Sinne von "die Theorie ist die bisher akkurateste Beschreibung der tatsächlichen Verhältnisse, aber nicht die absolute Wahrheit", aber das ist dann doch ziemlich diskreditierend). Desweiteren wird die menschliche evolutionsbiologische "fitness" nicht über moderne Schönheitsideale definiert: bis vor kurzem galt selbst in den westlichen Kulturen körperliche Fülle noch als Zeichen von Reichtum und Wohlstand (und tut es in etlichen anderen Kulturen, wie z.B. in Afrika und im Pazifikraum, immer noch). Das ist übrigens auch der Grund, warum etliche Großmütter auch noch heutzutage an ihren Enkeln bemängeln, sie wären so dünn, und sie müssten mehr essen. Und überhaupt ist "fitness" in der Evolutionstheorie kein binärer Zustand, sondern immer relativ zum jeweiligen (potentiellen) Partner zu sehen. Und zu guter letzt halte ich es sowieso für äußerst unwahrscheinlich, dass elfjährige Mädchen über die Zusammenhänge zwischen ihrem Körper und ihrer evolutionsbiologischen "fitness" reflektieren. Tja, so eine plumpe, leicht zu widerlegende Scheiße gleich im allerersten Artikel dieses sonst so gut gelungenen und sehr ausgewogenen taz-Dossiers "Der neue Sexismus". Übrigens auch das erste Mal, wo ich einen differenzierten, ehrlichen Artikel zu weiblichem Sexismus gelesen habe. Gut gelungen, liebe taz, bis auf diesen einen Griff ins Klo. Monday, March 2. 2009Mir taugt's
Mir taugt die neue Arbeit so sehr, dass ich kaum dazu komme, hier wieder mal zu posten. Also, grob umrissen ist meine Aufgabe derzeit, an OpenSource-Software herumzuhacken und interne Patches zu portieren. Das ist was vollkommen anderes als meine vorherigen Arbeiten, und es ziemlich Spaß, mal (beruflich) in C unter Solaris zu programmieren.
Apropos programmieren: ein Ergebnis meiner (privaten) Programmierarbeiten vom letzten Wochenende ist ein einfacher ncurses-basierter Texteditor, ebenfalls geschrieben in C, in unter 500 Sourcecodezeilen. Ich werde den Sourcecode in den nächsten paar Tagen online stellen, allein schon deswegen, weil der Code mbMn ziemlich einfach verständlich und straightforward ist. Namensvorschläge dafür werden übrigens gerne angenommen, der interimistische Arbeitstitel "mein editor" ist nicht so wirklich der Knaller. Außerdem war ich am Wochenende ein wenig (analog) fotografieren, aufgrund des schönen Wetters ging's zuerst zum Reichstag, dann zum nicht weit entfernten Holocaust-Denkmal, und schließlich weiter zum Neptunbrunnen und zum Alex, wo überall Fotos mit meiner Seagull gemacht wurden. Da analog, wird es noch ein paar Tage dauern, bis ich davon was online stellen kann. Thursday, February 5. 2009Krankgeschrieben bis Dienstag
Ich bin noch krankgeschrieben bis einschließlich Dienstag, d.h. ich werde meinen neuen Job erst kommenden Mittwoch antreten können. Andererseits, die Erholung hab ich auch wirklich notwendig, die ersten paar Tage nach dem Krankenhaus waren mit Meldeamt, Bank, Strom anmelden, etc., etc., stressig genug. Und so ruhe ich mich bis dahin noch aus, und genieße die letzten paar freien Tage. Die Therapie geht gut ebenfalls voran, die Blutwerte sind im angezielten Bereich, die nächste Kontrolluntersuchung steht erst wieder kommenden Montag an.
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About Me![]() Andreas Krennmair, software engineer, open-source developer, currently living and working in Berlin, Germany. Calendar
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